Studie: Was würde in Deutschland nach einer Kernschmelze passieren?

Kaum bemerkt von den Medien und von der Öffentlichkeit stellte am 17. Dezember 2015 das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) einem kleine Kreis von Ministerien und Politikern seine neue Studie „Risikoanalyse Freisetzung radioaktiver Stoffe aus einem Kernkraftwerk“ vor. Darin werden – unter Verwendung neuer Erkenntnisse aus der dreifachen Kernschmelze in Fukushima – zwei reale Katastrophenszenarien für Deutschland im Detail durchgespielt und berechnet. Es werden dabei die AKW’s von Grohnde und Phillipsburg betrachtet.

Es ist ein brisantes und bisher kaum bekanntes Papier, dass als amtliches Eingeständnis der höchsten Bundesbehörden zu sehen ist: Deutschland kann ein Atomunfall mit Kernschmelze und Freisetzungen nicht bewältigen.

Auch wenn die Hoffnung bleibt, dass uns aufgrund der rechnerisch sehr geringen Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Szenario erspart bleibt, muss sich jeder Bürger fragen, ob er bereit ist, das Restrisiko der Atomkraft zu tragen. Keine andere Katastrophe – außer einem Krieg – könnte Deutschland in wenigen Stunden und auf lange Sicht so sehr verändern wie eine Atomkatastrophe.

In den Szenarien tritt jeweils nach 21 Stunden innerhalb von 2 Tage 10 % der Radioaktivität aus. Z.B. auch Göttingen liegt im vorläufigen Sperrgebiet, dass für 48 Stunden nicht befahren werden soll. In dem „vorläufigem Sperrgebiet“ leben 1,8 Mio. Menschen! Von diesen sollen aber nur 90.000 in evakuiert werden – was unglaublich ist.

Nur Krankenhäuser und Altenheim sollen im ganzen vorläufigen Sperrgebiet evakuiert werden. Kinder scheinen egal!
In bis zu 50 km Entfernung sollen die Menschen im Haus bleiben, in bis zu 160 km Entfernung soll Jodtabletten verteilt werden. Radioaktivität macht aber keinen Halt vor Häusern!
Die Apotheken sollen im vorläufigem Sperrgebiet für 2 Tage geschlossen bleiben. Nur Jodtabletten sollen ausgegeben werden. Man muss aber auch wissen, dass Job ca. 6 Stunden VOR dem Unglück einzunehmen wären, um den Körper vor der Radioaktivität zu schützen. Dafür müssen die Menschen und Ausgabestellen über hellsehrische Fähigkeiten verfügen!
Es ist natürlich auch mit Einschränkung der Trinkwasserversorgung zu rechnen (Kontamination der Trinkwassertalsperren, Schließung der Wasserwerke).

Das Bundesamt geht von bis zu 1.000 Toten und 10.000 Verletzen und 100.000 Hilfsbedürftigen (für ein Monat) aus. 10 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche und 1,5 Mio. Großvieheinheiten wäre geschädigt. Auch diese Annahmen dürften weit unter dem tatsächlichen Ausmaß liegen…

Aufgrund wechselnder Winde bei für den Sommer typische Hochdruckwetterlage der Boden in fast ganz Deutschland kontaminiert. Dies wird auf einer Karte auf Seite 47 gut erklärt. Es wird damit gerechnet, dass wie bei Fukushima 10 Mio. Kubikmeter dekontaminiert werden müssen.

Als „große politische Auswirkung auf Bundesebene“ wird mit der Abschaltung der restlichen AKWs gerechnet.

Die „Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ ist nur „mit erhöhtem Aufwand“ möglich. Bundespolizei und Bundeswehr sollen Amtshilfe leisten. Wobei die Bundeswehr nicht im Inland eingesetzt werden darf. Bei den massiven Kosteneinsparungen in der Verwaltung und Polizei dürften die Behörden erheblich überfordert sein. Und welcher Polizist wird freiwillig im verseuchten Gebiet seine Gesundheit und sein Leben auf’s Spiel setzen?!?

Klar sind massive Proteste sind zu erwarten:
Einerseits gegen Atomkraft. Andererseits auch gegen Polizei und Kommunen.
Sofern Evakuierungen, Entschädigungsleistungen und Bewältigung des Ereignisses insgesamt nicht zufriedenstellend verlaufen dürfte der Unmut weiter angefacht werden…

In der mittelfristigen Betrachtung wird es zahlreiche Firmeninsolvenzen geben, die Wiederaufbauprogramme nötig machen. Rezession droht und der Staat und die Bundesländer dürften an den Kosten und wirtschaftlichen Einbrüchen kollabieren!

Die Details des Katastrophenszenarios stellen die Frage in den Raum:
Ab welchem Punkt sind die Risiken der Atomkraft gesellschaftlich, wirtschaftlich und ethisch untragbar?
Wir haben diesen Punkt schon lange überschritten und es wird von vielen Seiten einfach ignoriert.

Studie: „Risikoanalyse Freisetzung radioaktiver Stoffe aus einem Kernkraftwerk“
Quelle 2015, BdsTag Bericht zur Risikoanalyse
Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2015

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