Noch mehr kaputt im Schrottreaktor!

EON kommt mit seinem veralteten und technisch besorgniserregenden Atomkraftwerk Grohnde nicht mehr aus den Schlagzeilen!

Die Probleme des Atomkraftwerks und die finanziell desolate Lage des Betreibers EON müssen nunmehr ein Wahlkampfthema zur Europawahl werden – hier steht die Frage für die Zukunft der Atomkraft exemplarisch auf dem Programm. Auch wenn in Deutschland die Politik den Atomausstieg beschlossen hat, so treibt die EU-Kommission unter CDU Oettinger die Atomstrategie voran und es sind zahlreiche neue Atomkraftwerke europaweit mit hohen Subventionen geplant.

Seit Jahren werfen Atomkraftgegner EON und der Landesregierung Versagen bei der Sicherheit der Kraftwerksanlage vor. Zur Landtagswahl 2013 hatte die mit zahlreichen Anti-Atom-Gruppen vernetzte Regionalkonferenz „AKW Grohnde abschalten“ eine ToDo Liste mit 30 offenen Punkten in Sachen Sicherheit der Landesregierung übergeben. Zum Jahresanfang wurde u.a. zum Gedenken der Atomkatastrophe in Japan erneut auf die Untätigkeit der Rot-Grünen Landesregierung und dem Betreiber EON und dem Minderheitsmiteigner Stadtwerke Bielefeld hingewiesen.

Die prompte Bestätigung der Untätigkeit des Betreibers stellte sich ein:
Als Ergebnis zeigen sich immer mehr und dazu auch noch schwerwiegende Mängel in der seit Ende April eingeleiteten jährlichen Revision. Zahlreiche Fragen stehen im Raum und finden keine Antworten. Völlige Enttäuschung besteht bei den Wählern der Grünen zur Landtagswahl, da der grüne Umweltminister Wenzel von seiner zurvor präsentierten atomkritischen Haltung nun zum Handlager der Atomwirtschaft mutiert ist. Die Kritik und der Aktionismus sind wie weggeblasen!

Zunächst wurde ein sehr ernster Schaden am Generator festgestellt. Die Komponente außerhalb des nuklearen Bereich hat einen Totalschaden. Erklärung: keine! Folge: massive Verzögerungen für den Weiterbetrieb und Verlängern der Revision.

Nun der nächste Schock! Es gibt auch im nuklearen Bereich ernstzunehmende Mängel. Gerade in der Steuerung der Strömungen hat sich etwas verselbständigt und wurde als Drosselkörper identifiziert. Damit ist klar, das es weitere und umfangreichere Prüfungen geben muss. Dies hat die Aufsichtsbehörde scheinbar auch direkt angeordnet. (Quellen: DEWEZET, Weserberland-Nachrichten)

Seit 2013 werden im Kraftwerk Grohnde hochgefährliche MOX-Brennelemente eingesetzt. EON hätte aus den Problemen in anderen Kraftwerken, wie Gundremmingen, lernen sollen. Zudem hat ein führender EON-Kernkraft-Mananger selbst auf einer Konferenz in den USA 2012 den dortigen Betreibern und Behörden ausdrücklich von dem Einsatz von MOX-Brennelementen abgeraten und dies an Hand der Auswertungen aus dem Betrieb in deutschen Atomkraftwerken belegt. Kaum zu fassen, wie der Betreiber EON dann 2013 und nun auch im Mai 2014 in einem deutschen Atomkraftwerk ohne jede Not oder Aufforderung insgesamt 16 MOX-Elemente in den Reaktor in Grohnde einsetzt!

Atomkraftgegner aus der Region vermuten, dass die aktuellen Probleme auf eine Vielzahl von Entscheidungsfehlern beruhen:

  • Es ist falsch ein Kraftwerk weiter zu betreiben, dessen geplante technische Laufzeit bereits abgelaufen ist und welches dazu noch in der Leistung gesteigert wurde.
  • Es ist unzumutbar, dass ein Kraftwerk mit bekannten baulichen Mängeln weiterbetrieben wird. Diese Mängel rühren größtenteils aus der Bauzeit. So ein Kraftwerk wäre unter den heute bekannten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Technik niemals genehmigungsfähig. Statt dies aber anzuerkennen, machen alle Verantwortlichen die Augen zu und hoffen jeden Tag aufs Neue, dass es zu keiner Katastrophe kommt, die im Großraum bis zu 5,2 Mio Menschen treffen würden.
  • Es ist falsch und wider besseren Wissens ein hochriskanter Brennstoff in das AKW eingesetzt worden, welcher schon in anderen Kraftwerken zu erheblichen Problemen geführt hat.
  • Es ist fahrlässig und verantwortungslos, wesentliche Maßnahmen für die Sicherheit zu unterlassen, die eigentlich teilweise dringend notwendig sind.
  • Es ist falsch und risikant, wenn aus reiner Profitgier ein Kraftwerk der höchsten Risikoklasse im Netz gehalten wird, wo durch ein massives Überangebot an Strom die Preise an der Energiebörse stetig fallen und die Regierung mit den Bürgern auf eine schnelle Energiewende drängen.
  • Es ist unverständlich, wie eine Hochrisikotechnologie „Atomkraft“ über Jahre hinweg nach mehreren größten anzunehmenden Unfällen wie Tschernobly 1986 und Fukushima 2011 und entgegen den Mehrheiten in der Bevölkerung einfach weiterbetrieben wird!
  • Es ist nicht nachzuvollziehen, warum Grohnde weiterhin am Netz gehalten wird, wenn es in der Region genug andere und bessere Energiequellen gibt, die bereits seit mehreren Jahren das Atomkraftwerk im Weserbergland überflüssig machen.

Wir haben nur eine deutliche Forderung: sofortige Stilllegung des AKW Grohnde!

KONKRET FORDERN DIE ATOMKRAFTGEGNER VON DER ATOMAUFSICHT:

  • eine umfassende, öffentliche Aufklärung des Generator-Defektes
  • eine umfassende, öffentliche Aufklärung des Fremdkörper-Fundes im nuklearen Kraftwerkteils
  • eine komplette Sicherheitsüberprüfung des AKW, bei dem auch jene Prüfpunkte und offenen Anforderungen abgearbeitet werden, die in den vergangenen Jahren der Routine zum Opfer gefallen sind
    den Nachweis, dass der Generator ohne Sicherheitsprobleme in der alten Anlage betrieben werden könnte
  • eine komplette Prüfung und die Offenlegung aller Nachweise, dass der schnell von EON beschaffte nach technischem Schrott anmutende Ersatzgenerator zu 100% technisch einwandfrei und für den Dauerlastbetrieb im Atomkraftwerk Grohnde ausgelegt ist
  • es muss geprüft werden, ob durch die baulichen Veränderungen neue Genehmigungsverfahren eingeleitet werden müssen, die ggf. auch unter Beteiligung der Öffentlichkeit durchzuführen sind
  • maximale Rücksicht auf Mensch, Natur und Umwelt bei allem Handeln

Die Atomaufsicht wie auch EON müssen vermeiden, dass ein beinahme SuperGAU wie 2007/2008 in Krümmel verhindert wird. Die Analogie ist nicht von der Hand zu weisen. Damals wollte der Betreiber Vattenfall zurück in den Markt und wollen nur schnelles Geld verdienen, haben aber der Sicherheit keine Priorität gegeben.

Der Reaktor Krümmel war nach einem Trafo-Brand im Sommer 2007 vom Netz gegangen. Die schleswig-holstei­nische Atomaufsicht ließ die Stillstandszeit für weitgehende Sicherheitsüber­prüfungen nutzen, die immer mehr (auch bis dato unbemerkte) Probleme aufdeckten. 2008 wurde der Reaktor mit einem Alt-Trafo aus Brunsbüttel wieder in Betrieb genommen, aber auch dieser Trafo brannte nach weniger Tagen aus. Seitdem ging das AKW Krümmel nicht mehr in Betrieb.

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