Bundestag darf Gefahren von Plutonium (MOX) nicht weiter ignorieren!

Atomkraftgegner aus dem Umfeld des AKW Grohnde haben 2012 auf die Problematik mit MOX aufmerksam gemacht. Konkret hat der AKW Betreiber EON in zwei Lieferungen 16 MOX-Brennelemente aus England/Sellafield beauftragt. Die Anlieferung wurde von den zuständigen und verantwortlichen Stellen bewilligt, so dass EON eine Genehmigung zum Transport und am Ende auch für den Einsatz von MOX im AKW Grohnde vorliegen hat.
Auf die Hinweise zu den Risiken beim Transport, aber auch beim Einsatz von MOX wurde nicht reagiert. Auch die Hinweise auf die fehlende Eignung des Transportschiffs wurde nicht reagiert.
Auf berechtigte Beschwerde eines für den Katastrophenschutz zuständigen Landrats wurde harsch mit Drohungen und Verharmlosung geantwortet. Demnach werden die in den Landkreisen Verantwortlichen ungenügend informiert, sollen aber den Schutz der Bürger vor einem Unfall und der ggf. resultierenden Katastrophe sicherstellen. Die Route des Transports ist geheim. Wie soll so der Schutz der Bürger sichergestellt werden?

Bundesweit hat sich Widerstand gegen den Transport organisiert. In den Regionen Nordenham und Hameln/Pyrmont hat es mit den politischen Mehrheiten Resolutionen als deutliches Signal gegeben.

Auch wurde mit einer Petition im September 2012 gegen plutoniumhaltige Mischoxid-Brennelemente (MOX) reagiert, die jedoch nach drei Monaten durch den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages abgelehnt wurde. Unbeeindruckt der Ablehnung und einer scheinbar politisch gewollten Verzögerung des Petitionsverfahrens, wird nun Widerspruch mit einer Einwendung eingelegt.

In der Petition wird gefordert die unnötigen Plutoniumtransporte zu verbieten, ebenso muss der Einsatz von MOX-Brennelementen in deutschen Atomkraftwerken sofort unterbunden und ausgesetzt werden.
Die Atomkraftgegner begründen so ein Verbot mit den erheblichen unnötigen Risiken, den gesundheitlichen und militärischen Gefahren der Plutonium-Wirtschaft im Ganzen. Bei Unfällen bei MOX-Transporten kann das Plutonium frei werden und Mensch/Natur für immer kontaminieren. Die beiden Transporte Ende 2012 aus England zum AKW Grohnde führten auf regulären öffentlichen Straßen/Autobahnen an zahlreichen Ortschaften und Großstädten vorbei. Auf dem Seeweg wurde ein ungeeignetes hoch riskanter Schrottkahn verwendet.

Plutonium ist der schlimmste von Menschenhand künstlich in AKWs erzeugte Giftstoff, schon sehr geringe Mengen können tödlich wirken.
Bei der militärischen Nutzung geht es um Plutonium, welches in Atombomben verwendet wird. Es ist schon möglich aus 8 kg Plutonium eine Atombombe zu bauen. Eines der 16 MOX-Brennelement enthält 16 kg Plutonium.

Der Petitionsausschuss des Bundestages hatte im Januar 2013 geschrieben, dass die Petition begründet mit einer Stellungnahme des Bundesumweltministeriums abgewiesen wurde.

„Besonderes beschämend empfinde ich, wie in Deutschland mit den Sorgen, Ängsten und berechtigten Forderungen von Bürgern umgegangen wird. Diese werden mit Verharmlosung und Falschinformationen direkt aus den zuständigen Ministerium abgelehnt, ohne eine Veröffentlichung – auch nicht für die Ablehnung. Hier zeigt sich wohl das wahre Gesicht unserer bürgerlichen Mitbestimmung.“, beklagt sich der Petent.

Als PDF die Ablehnung mit der Petition und als PDF die Begründung des BMU (Bundesumweltministerium)

Die Einwendung gegen die Ablehnung der Petition

An den Deutscher Bundestag – Petitionsausschuss
Platz der Republik 1, 11011 Berlin

Einsatz und Transport von MOX-Brennelementen
hier: Einwendung zu Petition 2-17-18-2792-043286

Bezug: Ihr Schreiben vom 16.1.2013

Sehr geehrte Mitglieder des Petitionsausschusses,

gegen den vorläufigen Beschluss des Petitionsausschusses, meine Petition abzuweisen, legen ich folgende Einwendungen ein:

I. Gefahren des Transportes von MOX-Brennelementen

Laut der Antwort der Bundesregierung (BT-DS 17/7137) sind in den 16 MOX-Brennelementen zum AKW Grohnde 246 kg Plutonium enthalten, d. h. 16,5 kg pro Brennelement.

Bis zum Jahr 2019 soll laut der Antwort der Bundesregierung noch weitere 236 plutoniumhaltige Mischoxid-(MOX)-Brennelemente in Frankreich, Belgien und Großbritannien gefertigt und in deutschen Atomkraftwerken eingesetzt werden.

Das bedeutet, dass noch fast 4 Tonnen radioaktives Plutonium quer durch Europa transportiert werden soll, aus dem man rund 500 Atombomben bauen könnte.

Das ist unverantwortlich. Der Bundestag verschließt die Augen vor der Proliferationsgefahr durch die Stromerzeugung mit Atomkraftwerken.

Schon mit 8 kg Plutonium aus MOX-Brennelementen lässt sich eine Atombombe bauen. Aus Plutonium bereits abgebrannter Brennelemente ist das so nicht möglich. Dadurch ist es leichter MOX militärisch zu missbrauchen (Terror / Schurkenstaaten).

II. Auch kann der Transport ungewollt gesundheitliche Folgen haben

Bei einem Brand oder Aufprall-Unfall können Plutonium-Partikel frei werden und eingeatmet Lungenkrebs verursachen. Einige Millionstell Gramm Plutonium sind bereits krebserregend. Solche geringe Mengen können auch sofort tödlich wirken, da Plutonium radioaktiv aber auch giftig wirkt!

Gem. den Vorgaben für einen Transport, müssen die Transportbehälter „nur“ ein Feuer bei 800°C eine halbe Stunde aushalten.
Aber so verbrennt z.B. Propangas bei 2.000°C und nachweislich dauern die meisten Brände mehrere Stunden.

Die Behälter müssen einem Falltest aus 9 Meter Höhe Stand halten, das entspricht einer Geschwindigkeit von 48 km/h. Die LKW sind auf den öffentlichen Straßen aber mit bis zu 100 km/h unterwegs!

III. Gefahren des Einsatzes von MOX-Brennelementen

Nach einem SPIEGEL-Bericht „Leichtfertiges Spiel“ vom 10.2.1992 waren Experten vor der Verwendung von Plutonium in den Brennstäben westdeutscher Kernkraftwerke: Der Bombenstoff berge ungeahnte Risiken!

Nach einer Studie der Kölner „Gesellschaft für Reaktorsicherheit“ (GRS) von 1991 können die plutoniumhaltigen Brennstäbe nach einer Untersuchung des GRS-Experten Wolfgang Thomas unter ungünstigen Umständen die Funktionsfähigkeit der Reaktor-Steuerung und des Notfall-Systems beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall
können die brisanten Stäbe sogar platzen.

Selbst EON hat interne Unterlagen, die z.B. in den USA zur Begründung gegen einen MOX-Einsatz präsentiert wurden, die belegen, welche schwerwiegenden Probleme MOX-Brennelemente haben. Diese Unterlagen beruhen auf den Erfahrungen in Deutschland. In einem AKW hat EON selbst Abstand von MOX genommen, da es immer wieder Probleme gab.

Reaktoren, so die GRS können das „Entsorgungsproblem des Plutoniums“ nicht bewältigen. Allein in „Form der direkten Endlagerung“ von Brennstäben sei „die endgültige Entsorgung des Plutoniums“ zu schaffen.

Der GRS-Studie zufolge ist die MOX-Technik nicht nur unsinnig, sondern auch leichtfertig. Der Bericht belegt, daß die westdeutsche Atomindustrie seit mehr als zehn Jahren mit den gefährlichen Brennstäben hantiert, ohne die Risiken für Reaktoren und Umwelt je sorgsam geprüft zu haben.

Weil die plutoniumhaltigen Brennstäbe im Reaktor weitaus aggressiver strahlen („Spektrumsverhärtung“) und länger im Atommeiler bleiben („höherer Abbrand“) als Uran-Elemente, erhöht sich auch die „Beanspruchung des Kernbrennstoffs und der Brennelemente-Werkstoffe“ – mit gefährlichen Konsequenzen:

  • Die „Außenkorrosion“ der metallenen Brennelemente-Hüllrohre steigt – die etwa daumenstarken Schutzrohre, die den Brennstoff hermetisch vom Kühlwasser abschirmen sollen, verrotten also schneller als bei herkömmlichen Uran-Elementen.
  • Der „Innendruckaufbau“ in den MOX-Elementen ist so stark, dass unter bestimmten Bedingungen eine
    „Spaltgasfreisetzung“ droht – die Hüllrohre können durch den Gasdruck platzen, ihr hochradioaktiver Inhalt kann das Kühlwasser verseuchen.
  • Die MOX-Brennelemente beeinträchtigen die Wirksamkeit der das Atomfeuer regelnden Steuerstäbe im Reaktor – im Notfall könne „das sichere Abschalten des Reaktors“ gefährdet sein.
  • „Bei Störungen und Störfällen“ raube die höhere Wärmeentwicklung („Nachzerfallswärme“) der
    plutoniumhaltigen Brennstäbe den Reaktor-Bedienungsmannschaften entscheidende Sekunden, um „störfallbegrenzende Maßnahmen“ zu ergreifen.
  • Schmilzt in einem mit MOX-Brennelementen bestückten Reaktor ein Teil des atomaren Inventars, droht auch
    nach einer erfolgreichen Notkühlung noch der Super-GAU – ein Katastrophen-Szenario, das bei der Analyse von Kernschmelzunfällen bislang nicht untersucht wurde.

Selbst die Frage, wie verbrauchte MOX-Stäbe nach ihrem Einsatz im Reaktor sicher transportiert und verwahrt werden können, bereitet der Atomlobby Kopfzerbrechen.
Wegen der „durchdringenden Neutronenstrahlung“ sei es bisher schwierig, einen hinreichend sicheren Transport-Container zu entwickeln. Das bedeutet, dass es bis heute keine Castoren für abgebrannte MOX-Brennelemente gibt. Wo ist das sicher? Wie sollen abgebrannte MOX-Brennelemente in eine Lager transportiert werden? Wo gibt es von den Aufsichtsbehörden und den verantwortlichen Ministerien die Antworten darauf?

IV. Erhöhte Strahlung nach Einsatz der MOX-Brennelmente

Nach dem Einsatz im Atomkraftwerk strahlen MOX-Brennelemente fast doppelt so stark im Vergleich zu normalen Uranbrennelementen! Das soll sicher sein?

Das bedeutet höhere Strahlung für Personal, Anwohner und nachfolgende Generationen bei der Zwischenlagerung und der noch nicht gelösten Frage, wie die Gesellschaft langfristig mit dem Atommüll umgehen will. Aber mit dem Einsatz von MOX werden jegliche Risiken bei der zivilen Nutzung der Atomkraft zusätzlich erhöht, völlig unnötig!

V. Mehr Plutonium durch MOX

Es ist eine fehlerhafte Annahme, wenn mit MOX die Menge an Plutonium reduziert wird. MOX-Brennstäbe können nicht allein im AKW genutzt werden. Es ist eine besondere Belegung des Beckens notwendig, um die massiven Probleme und Risiken von MOX zu reduzieren. Damit werden neben MOX auch Brennelemente eingesetzt, die aus „neuem“ angereicherten Uran „verbrannt“ werden. Damit wird in den weiteren Uran-Brennelementen im Becken unweigerlich wieder neues und zusätzliches Plutonium erzeugt!

VI. Alternative zum Einsatz von MOX-Brennelementen

Das Öko-Institut e.V. (Christian Küppers, Wolfgang Liebert et al.) hatte 1999 in einem Gutachten „Realisierbarkeit der Verglasung von Plutonium zusammen mit hochradioaktiven Abfällen sowie der Fertigung von MOX-Lagerstäben zur Direkten Einlagerung als Alternativen zum Einsatz von MOX-Brennelementen“ für die Hansestadt Hamburg dafür plädiert, Plutonium zu verglasen oder in Lagerbrennelementen zu lagern statt es in MOX-Brennelementen wieder im Reaktor einzusetzen.

Das bedeutet, dass man die bestehenden Abfälle mit den MOX-Brennelementen und Plutonium mischt und einlagert. Das Plutonium ist damit sicher gelagert und kann nicht mehr in einen militärisch missbräuchlichen Kreislauf zurück.

Auf einem Workshop des Unterausschuss der Reaktorsicherheitskommission verwehrte sich der Vertreter der EON-Vorgängerin Preußen Elektra Kernkraft gegen die Lagerelemente mit der Begründung: „Warum sollte die Fertigung von Lagerelementen/stäben die bessere Alternative sein, wenn doch wenn doch der Reaktorbetrieb mit MOX-Brennelementen auf jahrzehnte lange ausnahmslos positive Erfahrungen ohne zusätzliche Belastungen für Mensch und Umwelt zurückblicken kann.“

Mal wieder hat die Realität, diesmal in Fukushima, die Sicherheitsversprechen der Atomindustrie auf traurige Weise widerlegt und die Reaktorkatastrophe noch verschlimmert. Bei der Reaktorkatastrophe war auch Plutonium freigesetzt worden. Im Reaktor 3 von Fukushima waren MOX-Brennelemente eingesetzt, die besonders viel Plutonium enthalten. Noch heute gibt es massive Probleme und sehr hohe Risiken mit den bruchfälligen Abklingbecken in Fukushima. Das sind genau die Risiken, die auch in Deutschland bestehen.

Der § 9a des Atomgesetzes muss dringend geändert werden, da der den Einsatz von MOX-Brennelementen sogar vorschreibt. So eine Vorgabe ist unverantwortlich!

Produktion, Import und Export und der Einsatz von plutoniumhaltigen Mischoxid-Brennelementen in Atomreaktoren muss zumindest massiv eingeschränkt oder besser verboten werden.

Ich erweitere meine Forderungen, dass die Wiederaufbereitung im Ausland gestoppt werden muss. Denn immer noch liegen 170 Tonnen Schwermetall an abgebrannten Brennelementen aus Deutschland vor der Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield, die bis zum Verbot dieser Transporte bis Mitte 2005 zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield geschickt wurden. Bereits in der Wiederaufbereitungsanlage separiertes Plutonium sollte mit anderen Atommüll vermischt, in Glas oder Keramik gegossen werden, um es militärisch unbrauchbar zumachen. Sellafield ist ein Beispiel ungeahnter Risiken, wenn die Bürger direkt Radioaktivität ausgesetzt werden. Großräumig ist die Region verseucht, auch mit Plutonium.

Die Einwendung zur Petition als PDF.

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