AKW Grohnde nicht auf Notfall vorbereitet

Bei der Sicherheit des AKW Grohnde bei Hameln sehen Umweltschützer für die künftige niedersächsische Landesregierung akuten Handlungsbedarf. Das AKW entspreche nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik und wäre daher schon seit 1994 nicht mehr genehmigungsfähig, sagte Peter Dickel von der Regionalkonferen Grohnde abschalten am Mittwoch in Hannover. Mit 231 Vorkommnissen weise der Reaktor zudem die höchste Zahl an meldepflichtigen Ereignissen aller deutschen AKW auf.

Trotz diverser Nachrüstmaßnahmen ist das AKW Grohnde nach Meinung von Atomkraftgegnern noch immer nicht auf mögliche Notfälle wie Erdbeben und Hochwasser vorbereitet. „Unsere Forderung an die Atomaufsicht des Landes lautet daher, binnen vier Monaten eine Sachstandanalyse zu erstellen und zu veröffentlichen“, sagte Peter Dickel. Das Ergebnis über den Reaktor im Landkreis Hameln-Pyrmont müsse vor der Bundestagswahl 2013 vorliegen.

In einer Studie der Physikerin Oda Becker (Fachhochschule Hannover) wird kritisiert, das Land kontrolliere die Umsetzung der teils seit 2010 bekannten Nachrüstungsempfehlungen nicht konsequent genug. Demzufolge sei das Atomkraftwerk seit 1994 nicht mehr genehmigungsfähig und weise mit 231 meldepflichtigen Ereignissen die höchste Gesamtzahl unter allen noch am Netz befindlichen Reaktoren in Deutschland auf. „Da Grohnde nicht auf alle Notfälle vorbereitet ist, könnte es zu hoch radioaktiven Freisetzungen kommen und damit zu einer lebensbedrohlichen Gefahr für die Bevölkerung“, betonte Becker.

Es gibt aber auch Gegenstimmen, die die Probleme herunterspielen:

Auch die EU-Kommission habe das AKW Grohnde als modernes Kraftwerk eingestuft, betonte eine Sprecherin des zuständigen Umweltministeriums in Hannover. „Darüber hinaus werden auch die nach dem Ereignis in Fukushima entwickelten Maßnahmen zur Steigerung der Robustheit umgesetzt werden.“

Dagegen hagelte es auch von Grünen und Linker umgehend Kritik: Die Expertise bestätige die Befürchtung, dass das AKW Grohnde ein großes Sicherheitsrisiko sei.

Tobias Darge wies auch auf die Mängel im Katastrophenschutzplan für das AKW Grohnde und die beim Unglück betroffenen Regionen hin. So sehe der Plan im Fall eines schweren Unfalls Evakuierungen nur im Umkreis von zehn Kilometer um das AKW vor. Tatsächlich sei aber in einem viel größeren Bereich mit erheblichen radioaktiven Belastungen zu rechnen.

Am 9. März wollen Atomkraftgegner eine 350 Kilometer lange Menschen- und Aktionskette um das Atomkraftwerk Grohnde bilden. „So eine Aktion hat es in Deutschland noch nie gegeben“, sagte Darge. Die Aktion wird zum 2. Fukushima Jahrestag geplant und es wird bundesweit mobilisiert.

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