Hilflos nach dem Störfall – Katastrophenschutz unzureichend

Nicht nur wir als Atomkraftgegner und kritische Bürger zweifeln an dem Katastrophenschutzplan in Deutschland. Nein, immer mehr Medien greifen die Kritik auf und finden zahlreiche gute Argumente, den zwar immer wieder aktualisierten, aber trotz alle dem völlig unzureichenden Schutzplan negativ zu beleuchten.

Jüngst ist ein dazu passender sehr guter Artikel aus Minden-Lübbecke aufgefallen. So schreibt die Neue Westfälische mehr als deutlich kritisch „Hilflos nach dem Störfall„! Nun ist diese Hilflosigkeit absolut keine witzige oder untergeordnete Sache. Es geht hier um Atomkraftwerke, die im Falle eines Störfalls tausende bis millionen Menschen verseuchen und krank machen. Atomare Strahlung hält viele Tage bis tausende Jahre und macht Regionen für die Menschheit unbewohnbar. Es gibt mehr als genug traurige Beispiele für solche Katastrophen.

Diese Woche wurden in Japan wieder 10 hochgradig strahlende Plutonium-Hotspots gefunden. Es scheinen ganze Stücke aus dem Reaktor 3 zu sein, die nun dort frei in der Umgebung „rumliegen“.
enenews.com: „I think plutonium being reported around Fukushima is raw, unoxidized pieces of nuclear rods that were blown out from Unit 3′s spent fuel pool

Desinformation, Hilflosigkeit, Unfähigkeit und Ignoranz sind da absolut das falsche Mittel. Daher ist es sehr wichtig, dass die Politik endlich anfängt, nicht mehr zu verharmlosen. Die Konzerne haben eine große Verantwortung, denen sie sich stellen müssen. Sie sollten so verantwortungsvoll sein, und die AKWs sofort abschalten. Profit kann nicht vor Sicherheit und Gesundheit gehen. Letztlich sind es die gefährdeten Menschen, die auch die Kunden dieser Konzerne sind – das wird wohl all zu oft vergessen…

Der Katastrophenschutz in Deutschland ist im Falle eines schweren nuklearen Störfalls wie im japanischen Fukushima nicht ausreichend. Diese These stammt nicht von Atomkraftgegnern. Sie ist das Fazit einer Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BFS), die in diesem Jahr veröffentlicht wurde und jüngste Erkenntnisse aus Japan mit einbezog.

Was bedeutet das für die Bevölkerung im Mühlenkreis?

Diese Frage in dem Artikel der NW gilt natürlich nicht nur für den Kreis, sondern gilt bundesweit! Daher greifen wir auch diesen Artikel mit auf.

Das Atomkraftwerk (AKW) im niedersächsischen Grohnde bei Hameln ist 45 Kilometer Luftlinie von Minden entfernt. In der anderen Richtung liegt 111 Kilometer Luftlinie entfernt das AKW Lingen. Orientiert man sich an den Ergebnissen der BFS-Studie, müsste in einem Umkreis von bis zu 170 Kilometern vom AKW die Bevölkerung evakuiert werden. Jodtabletten sollten bis zu 100 Kilometer weit verteilt werden.

Die Entscheidung, ob ein Gebiet zu evakuieren ist, obliegt dem Landrat, der seinen Krisenstab zur Beratung hinzuzieht. So steht es im „Einsatzplan Evakuierungsmaßnahmen bei einem Großschadensereignis im Mühlenkreis.“ Der 24 Seiten starke Plan ist äußerst allgemein gehalten und geht nicht auf die Art der Katastrophe ein. So allgemein, dass mehrfach Justizvollzugsanstalten in den zu treffenden Maßnahmen erwähnt werden. Im Mühlenkreis gibt es jedoch keine Gefängnisse. Der Einsatzplan scheint ein standardisiertes Schriftstück zu sein, dass auf jeden Kreis in NRW zutrifft.

Auch diese Feststellung in dem Aritkel ist nach unserer Sicht stellvertretend für alle Kreise. Wir keinen in keinem der Kreise rund um das AKW Grohnde oder auch nicht im Umfeld des AKW Lingen einen guten und befriedigenden Schutzplan für Mensch und Natur gefunden.

Für den Kreis Minden-Lübbecke gibt es keinen konkreten Gefahrenabwehrplan im Falle eines Reaktorunfalls„, sagt Kreissprecher Oliver Roth. Katastrophenschutz sei in Nordrhein-Westfalen Ländersache, die Kreisverwaltung als o der falsche Ansprechpartner. Anfragen sollten sich an das Innenministerium in Düsseldorf richten.

Auch das haben wir immer wieder festgestellt. Die Verantwortung wird schön von A nach B verschoben. Eigentlich ist niemand verantwortlich und niemand hat die Hoheit, die Sicherheit zu gewährleisten. Darf ein Schutz für die Bürger, die den Staat, das Land und die Kommunen mit ihren Steuern finanzieren so aussehen? Eigentlich ist das eine Frechheit!

Dort hat man nach Fukushima die bereits bestehenden Konzepte unter die Lupe genommen und teilweise überarbeitet. Darunter fallen die ABC-Schutz-Konzepte „Personal-Dekontaminationsplatz NRW“ und „Geräte-Dekontaminationsplatz NRW“.

Interessant aus Sicht der Bevölkerung ist das Konzept „Verletzten-Dekontaminationsplatz NRW“ (Ausgabe Dezember 2011), dass sich mit einem Massenanfall von kontaminierten Personen beschäftigt. Dieser Plan gilt für jegliche ABC-Unfälle, also auch für einen Reaktor-Störfall vergleichbar mit dem in Fukushima. Schon im Vorwort weist das Ministerium darauf hin, dass eine solche Einsatzlage „für die meisten Kreise und kreisfreie Städte in NRW eine beträchtliche Herausforderung darstellt.“

Die Dekontamination – das Entfernen von gefährlichen Verunreinigungen – stelle die Einsatzkräfte vor zahlreiche zusätzliche Herausforderungen, die „im Vorfeld detailliert geplant und intensiv geprobt werden müssen.“ Wie oft solche Übungen in den letzten Jahren im Mühlenkreis stattgefunden haben, war aus der Kreisverwaltung nicht zu erfahren. Lediglich, dass Szenarien zu Weserhochwasser, Zugunfälle, Stromausfall, Chemieunfälle sowie Großbränden stattfanden. Anzahl und Umfang? Keine Angaben.

Das Personal für die Dekontamination der Bevölkerung (maximal 50 Menschen pro Stunde pro Einrichtung) sollte aus Einsatzkräften bestehen, die sowohl ABC- als auch rettungsdienstlich ausgebildet sind. Stehe nicht ausreichend Personal mit dieser Doppel-Qualifikation zur Verfügung, sollten Einsatzkräfte der Feuerwehren und Reservekräfte der Hilfsorganisationen hinzugezogen werden. Ein Dekontaminationsplatz für 50 Personen in der Stunde braucht 60 Einsatzkräfte.

An dieser Stelle – und nicht ausschließlich hier – kommt das Manko aller Landeskonzepte ans Tageslicht: Es basiert zu einem großen Teil auf Qualität und Quantität der freiwilligen Feuerwehren und Hilfsorganisationen auf Kreisebene. Entscheidungen mögen in Düsseldorf getroffen werden – deren Ausführung kann jedoch nur durch diese ehrenamtlichen Kräfte erfolgen. Somit liegt die Verantwortung schlussendlich wieder bei Kreisen, Städten und Gemeinden.

Fragt man bei der Kreisverwaltung konkret nach, wie es um den Ausbildungsstand der örtlichen Kräfte oder der Menge an eingelagerten Hilfsgütern steht, werden die Antworten pauschal.

Frage: Wie viele Rettungskräfte sind im Umgang mit nuklearen Unfällen geschult?
Antwort: Mitarbeiter der freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehr Minden haben entsprechende Lehrgänge besucht.
Frage: Wo lagern die Versorgungsgüter, die den Aufnahmestellen für Evakuierte zur Verfügung gestellt werden müssen? Dabei handelt es sich um Betten, Decken, Geschirr, Hygieneartikel, Lebensmittel und Arzneien.
Antwort: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hält eine Anzahl von Feldbetten vor, der Rest wird im Bedarfsfall eingekauft.

Was passiert, wenn ein Schadensereignis – egal ob radioaktiv oder nicht – an einem verlängerten Wochenende stattfindet?
Wo kommen die Lebensmittel her?

Das sind gute Frage ohne eine befriedigende Antwort. Aber das folgende in dem Artikel ist der „Hammer“ und schlägt dem oft zitierten Fass den Boden aus. Es zeigt, dass wir wohl den Schutz im Falle eine Katastrophe „unfähigen Wichtigtuern“ überlassen, die sich ihrer Verantwortung und auch der Gefahr aus einer Katastrophe mit ihrer absoluten nicht zu planenden Raktionszeit kein Bild machen können.
Man darf wohl sagen, dass ist ein untragbarer Zustand, den wir rund um AKWs in den Schutzplänen und überforderten Behörden vorgefunden haben, der sich in dieser Aussage widerspiegelt:

„So ein Fall tritt mit einer gewissen Vorlaufzeit ein. Da bleibt genug Zeit, um einzukaufen“, sagt Norbert Werger, im Kreis zuständig für Katastrophenschutz und Rettungswesen.

In anderen NRW-Kreisen besitzt das DRK Schlüssel zu Supermärkten, um zu jederzeit schnell reagieren zu können. Die Helfer laden ein, was sie brauchen – abgerechnet wird später. „Davon ist mir im Kreisgebiet nichts bekannt“, sagt Werger.

Auch die Verteilung von Jodtabletten nach einem Reaktorunfall und deren Lagerorte sind auf Kreisebene nicht bekannt. Nicht einmal im Notdepot für Großschadenereignisse – in der Zentralapotheke des Klinikums Minden – gibt es Jodtabletten.

Sie werden bundesweit in sieben Depots eingelagert, unter anderem im niedersächsischen Wunstorf. In Hessen und Baden-Württemberg wurden im direkten Umkreis der AKWs Vorverteilungen an alle Haushalte vorgenommen. Außerhalb eines 25 Kilometer Umkreises – also auch im Kreis Minden-Lübbecke – sollen Jodtabletten innerhalb von zwölf Stunden nach einer behördlichen Entscheidung bei der Bevölkerung angekommen sein. Die Tabletten werden von den freiwilligen Feuerwehren verteilt. Die Entscheidung, ob überhaupt Jodtabletten ausgegeben werden, trifft der Bundesumweltminister.

Wie sieht das Fazit aus?
Nicht nur bei einem nuklearen Störfall sieht der Kreis die Verantwortung beim Land, dass sich wiederum in allen Schutz-Konzepten auf die personellen Kräfte auf Kreisebene verlässt.

Es bleiben noch viele Fragen offen. Einmal Fragen, die wir vielen Behörden gestellt haben, aber auch Fragen, die am Ende des Artikels offen geblieben sind:

Doch wie viele dieser ehrenamtlichen Kräfte stehen bei einem Reaktorunfall tatsächlich zur Verfügung?
Wie viele Familienväter flüchten lieber mit ihren Familien? Ein Blick ins hochdisziplinierte Japan lohnt sich: Dort brach im März 2011 das Chaos aus.

Dies macht absolut keinen Mut. Dies zeigt, dass wir sofort aus so eine Hochrisikotechnologie aussteigen müssen.

Doch statt Einsicht zu zeigen, will EON mit offizieller Genehmigung das Risiko des AKW Grohnde erhöhen und plant die Lieferung von MOX-Brennelementen, die einen sehr hohen Anteil von angereichertem Plutonium enthalten. Plutonium in dieser unnatürlichen Form und Anreicherung ist das gefährlichste und giftigste, was die Menschheit kennt. Das soll bald im AKW Grohnde unnötiger Weise eingesetzt werden…

Hier der Link auf den Artikel und als Quellennachweis.

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