AKW-Brennelementewechsel sind gefährlich

AKW-Brennelementewechsel sind gefährlicher, als bisher angenommen

Schon bei einer einzigen Revision mit Brennelementwechsel werden bis zu einem Drittel der jährlich abgegebenen Menge an radioaktiven Edelgasen und die Hälfte der Jahresabgabe an radioaktiven Jod über den AKW-Kamin in die Umgebung abgelassen.
Der IPPNW hat dazu eine Presseerklärung herausgegeben.

Wir erinnern uns, das AKW Grohnde war rund 6 Wochen zur Revision mit Brennelementewechsel vom Netz. Das war im Mai bis Mitte Juni.

Recherchen der atomkritischen Aerzteorganistation IPPNW belegen über viele Jahre hinweg periodisch erhöhte Abgaben von radioaktiven Partikeln während jeder Revision mit Brennelementewechsel am AKW
Neckarwestheim auch schon bei (niedrig)-gemittelten Werten.
Dazu ein PDF von IPPNW.

Recherchen der ARD belegen erhöhte radioaktive Tagesspitzenwerte am Kamin des AKW Gundremmingen, die in Zeiten der Revision mit Brennelementewechsel bis zu 160 mal höher sind als an anderen Tagen.
Das Video der ARD, Sendung Plusminus vom 21.06.11 ist über diesen Link erreichbar oder hier bei YouTube.

An allen bundesdeutschen Atomkraftwerken werden regelmäßig Revisionen mit Brennelementen vorgenommen. Alle Betreiber der Atomkraftwerke halten die erhöhten Tagesspitzen während der Revisionen geheim. Die
Daten werden nicht veröffentlicht, sondern als Betriebsgeheimnis behandelt. Veröffentlicht werden lediglich verharmlosende und gemittelte Werte, die immer kleiner sind, als die realen Tagesspitzenwerte.

Wir brauchen dringend Transparenz und Öffentlichkeit über alle Tagesspitzen der radioaktiven AKW-Emissionen, direkt an den AKW-Schornsteinen und direkt an den AKW-Abwasserrohren. Wir dürfen uns
nicht mehr mit geschönten und gemittelten Tabellen zufrieden geben, die uns vorgaugeln, alles sei im harmlosen Bereich. Häufig wird als Argument angeführt, wir hätten in Deutschland ein flächendeckendes
Messnetzwerk zur Erfassung der Ortsdosisleistungen (ODL). Die dort erhobenen Gamma-Messwerte zu den Imissionen sagen aber nichts aus über die realen Spitzen-Emissionen an den AKW-Schornsteinen und an den
AKW-Abwasserrohren und reichen zur Klärung dieser Fragestellung nicht aus.

Wir brauchen dringend eine kritische wissenschaftlich Forschung, die mit diesen veröffentlichten Daten Klarheit schaffen kann. Wir brauchen eine Politik, die umgehend die rechtlichen Voraussetzungen dafür
schafft. Zwar liegen alle bisherigen radioaktiven Abgaben „im Rahmen der gültigen Grenzwerte“.
Aber: Gleichzeitig wird schon seit Jahren eine Forschung behindert, die die Gültigkeit der bestehenden amtlichen Grenzwerte kritisch überprüfen könnte.

Wir brauchen dringend eine Aktualisierung der bisher gültigen amtlichen Grenzwerte für die radioaktiven Abgaben der Atomkraftwerke. Dafür hat die IPPNW schon 2009 eine Petition an den deutschen Bundestag
formuliert, die bis heute von der Bundesregierung unbeantwortet geblieben ist. Die IPPNW fordert darin die Einführung eines „Referenz-Embryo“, der die erhöhte Strahlenempfindlichkeit von Kleinkindern und noch ungeborenen Kindern im radioaktiven Niedrigstrahlungsbereich angemessen berücksichtigt.
„Je näher ein Kleinkind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für das Kind, an Krebs und Leukämie zu erkranken.“ Dieses Ergebis ist von der Studie zu Kinderkrebs in der
Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie) 2007 hochsignifikant bewiesen worden. Die KiKK-Studie ist die bisher umfangreichste wissenschaftliche Arbeit in diesem Bereich. Das Ergebnis ist für jeden bundesdeutschen Atomkraftwerkstandort gültig. Die KiKK-Studie ist aber nicht zufällig entstanden. Erst eine massive Öffentlichkeitskampagne der IPPNW hatte 2001 die Studie auf den Weg gebracht. Betreiber und industriefreundliche Wissenschaftler streiten aber bis heute immer noch vehement einen kausalen Zusammenhang zu den radioaktiven Abgaben ab, die jedes Atomkraftwerk schon im Normalbetrieb in die Umgebung verteilt. Dies wird jetzt durch die o.g. Recherchen zu den Tagesspitzenabgeaben deutlich
relativiert, denn mit diesen Tagesspitzenwerten lassen sich erhöhte Krankheitsrisiken in der Umgebung der Atomkraftwerke plausibel erklären.

Mehr Hintergrundinformationen zum Thema finden Sie im Factsheet der IPPNW „Atomkraft: Risiken schon im Normalbetrieb“. Es gibt auch einen IPPNW-Film: „Kinderkrebs um Atomkraftwerke„.


Wenn man diese erhöhten Strahlungswerte kennt, stellt sich eine wesentliche Frage:

Wie wirkt radioaktive Niedrigstrahlung im menschlichen Körper?
Hat ein Mensch ein unendlich großes persönliches Strahlenkonto?
Dazu hat die Wissenschaftssendung des Bayerischen Fernsehens nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima einen guten und informativen Beitrag gestaltet.

Was können wir Bürger tun?
Eines ist klar, nur ein abgeschaltetes Atomkraftwerk benötigt keine weiteren Brennelementewechsel. Nehmt Einfluss auf Politiker, vor allem im Wahlkreis. Die Atomkraftwerke können schneller vom Netz genommen werden, als bisher von der Bundesregierung vorgeschlagen. Wir haben jetzt eine Chance, dies zu bewirken!
Hier finden Sie Ihren Bundestagsabgeordneten.

Unterstützt auch die IPPNW-Petition zur Verbesserung des Strahlenschutzes um Atomkraftwerke!


Quelle: Reinhold Thiel, Mitglied des Vorstandes der atomkritischen Aerzteorganisation IPPNW

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bundesumweltministerium, Deutschland, ENBW, EON, Europa, Grohnde, Hameln, IPPNW, Meldungen, Pressemeldung, RWE, Sicherheit, Wahrheit, Widerstand veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s