Top oder Flop?

Bei der Bewertung des am 06.06.2011 vom Bundeskabinett verabschiedeten „Atomausstiegs“ gehen die Meinungen weit auseinander.

Es steht bundesweit die Frage im Raum „Top oder Flop?“

Es gibt etwas zu feiern. Es ist ein Erfolg für die Bewegung.
Es gibt aber auch noch 10 Jahre Atomkraft und noch immer Hintertüren, die sicherlich das Risiko tragen, in der Zukunft schamlos ausgenutzt zu werden.

Die einen sind in Feierlaune! 8 Reaktoren gehen jetzt ganz offiziell für immer vom Netz. Das ist auf jeden Fall ein riesen Erfolg! Zudem konnte sich Schwarz-Gelb nicht mit dem Plan durchsetzen, alle verbleibenden 9 AKW’s am Ende der Laufzeit des Ausstiegs 2022 stillzulegen. 3 AKWs sollen jetzt wohl schon früher vom Netz. Auch wurde der Kritik geschuldet, dass es feste Ausstiegstermine geben soll. Nämlich 2015, 2017 und 2019 soll abgeschaltet werden.
Alles zusammen also ein riesiger Erfolg der Anti-Atom-Bewegung und eine krachende Niederlage für die Atom-Lobby. Ein Teilerfolg, wenn man an eine weitere Laufzeit von 10 Jahren für die AKWs denkt. In den 10 Jahren besteht jeden Tag das Restrisiko. Mit jedem Tag strahlen die AKWs, vor allem in der Zeit der Revision und mit jedem Tag steigt das Aufkommen an Atommüll, bei dem wir schon heute nicht wissen, wohin damit!

Es gibt die „anderen“. Die wollen nicht feiern. Die sind empört!
Auch wenn 3 AKWs vor 2022 abgeschaltet werden, bleiben bis zum Letzten 6 Reaktoren, die bis 2022 laufen. Auch ist unklar, wie in 10 Jahren die politische Lage sein wird. Kommt dann wieder der Ausstieg aus dem Ausstieg?
Unter den 6 Langzeitläufern ist der in einem Erdbebengebiet gelegene Meiler Neckarwestheim II. Einige Meiler gehen weit später vom Netz als der rot-grüne Atomausstieg dies vorsah (wie Gundremmingen C, baugleich mit den Reaktoren in Fukushima).
Aus dieser Perspektive ist die Frage berechtig, ob der Atomausstieg der Koalition in Abstimmung mit SPD und Grünen wirklich ein Erfolg ist.

Es mutet schon merkwürdig an, dass wir im Mai und Juni 2011 mit nur 4 AKWs ohne Probleme leben konnten.
Es ist unfassbar fatal, dass keine Partei und auch nicht die Wirtschaft die Chance nutzt und auf die riesen Chancen in der Energieeffizienz und vor allem im simplen Stromsparen aufgreift! Nicht mal die Grünen haben eine Kampagne „Leute spart Strom, spart die restlichen AKWs weg“ angefahren hat. Lediglich der BUND hat in einem 6-Punkteplan unter 1. das Weg-Sparen der AKWs aufgegriffen. Das ist einfache Katastrophe. In allen Folien zur Stromstatistik mit Perspektiven in die Zukunft wird von steigendem Stromverbrauch gerechnet. Warum, müssen wir uns fragen!

Doch wir dürfen nicht nur die Sicht von „heute“ an den Tag legen. Schaut zurück auf Ende 2010. Wie unglaublich hätten wir den Erfolg mit dem Ausstiegskonzept dieser Tage gefeiert!
Auch können wir jetzt in der Presse die Reaktionen aus dem Ausland sehen. Wir haben einen Stein ins Rollen gebracht. Die Politik der Welt steht gegen Deutschland und die Anti-Atom-Bewegungen in Ländern wir Frankreich findet ihren Höhepunkt und wächst rasant. Ist Deutschland mit seinem Ausstieg der Vorreiter, werden die anderen Länder den Trend nicht mehr aufhalten können.

Aber es ist auch schlimm, dass dort trotz Fukushima keine wirkliche atompolitische Kehrtwende eingeläutet wurde. Die Kehrtwende in Deutschland ist dem unglaublich tollen und kraftvollen Protest der Anti-Atom-Bewegung zu verdanken! Wir sind ein wichtiges Vorbild in der Welt.

Wenn wir aber aus umweltpolitisch und vor allem den ethischen Gebotenen dies Konzept betrachten, ist es ein Desaster. So müssen wir hartnäckig bleiben und den schnellstmöglichen Atomausstieg fordern. Das ist ein Konzept für ein Schneckenrennen. Es gibt deutliche Beweise, die zeigen, dass es noch schneller geht. Ob der BUND, das Ökoinstitut oder Greenpeace oder aber auch das Bundesumweltministerium selbst. Es zeigt uns, das Tempo reicht bei weitem nicht aus!

Was können die weiteren Forderungen der Anti-Atom-Bewegung sein?

Wir müssen uns jetzt fragen, was wir konkret angehen sollen.

  • Die AKW-Laufzeiten müssen verkürzt und stärker gestaffelt werden.
  • Es braucht ein Aus für Gorleben.
  • Wir brauchen eine standortunabhängige Lagersuche und wir müssen klären, ob wir ein Endlager suchen, oder wir mit rückholbaren Lagerkonzepten arbeiten müssen.
  • Der Bau von Kohlekraftwerken darf nicht erleichtert oder gar forciert werden.
  • Wir müssen uns mit allem, was wir haben auf die erneuerbaren Energien stürzen. Neue und bestehende Konzepte aufgreifen und die Guten schnellst möglich realisieren. Wir müssen aber nichts überstützen, die Konzepte müssen sozial und umweltfreundlich sein. So ist nicht jede Biogasanlage eine gute Anlage im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes.
  • Wir werden weiterhin Förderungen in der erneuerbaren Energiewirtschaft brauchen. Wenn die direkten und vor allem indirekten Förderungen in der Atomwirtschaft aufgelöst werden, haben wir genug Mittel, die wir für die saubere Energie einsetzen können. Das schafft nicht nur saubere ökologische Energiequellen, sondern auch noch unglaublich viele Arbeitsplätze und sichert auch noch den Technologiestandort Deutschland!
  • Wir müssen verhindern das in einigen Monaten die Atomlobby wieder Oberwasser zurück gewinnt.

Wir dürfen also nicht müde werden oder uns auf den Lohrbeeren ausruhen.
Wir werden mit weiteren Aktionen nachlegen müssen.
Wir werden kreativ und flexibel reagieren müssen.
Wir müssen weiterhin friedlich aber bestimmt bleiben.
Wir dürfen uns nicht kriminalisieren lassen!

So wie es die Menschen gegen das Projekt Stuttgart21 sagen, „Wir müssen OBEN bleiben„.

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