Offener Brief an die Redaktion ‚Heute-Journal‘

In einem offenen Brief schreibt Willi Hennebrüder am 19.05.2011 an das Heute-Journal über Bedenken in der aktuellen medialen Diskussion hinsichtlich des Risikos für Atomkraftwerke nach der Veröffentlichung der Risikostudie zum Moratorium. Es geht um das vornehmliche Risiko eines Flugzeugabsturzes. Dies Risiko wird von der Öffentlichkeit immer als sehr unwahrscheinlich empfunden. Aber dem ist nicht so! Deshalb sollten wir z.B. den Selbstmord eines Piloten mit auf die Tagesordnung setzen. Dann wird das Risiko für viele Menschen viel realer, weil in ihrem Umfeld so etwas immer wieder passiert.

Aber auch andere Punkte werden in der öffentlichen Diskussion nicht ernsthaft und tief greifend diskutiert. Hennebrüder kritisiert dies und hält es für sehr wichtig, dass Themen wie die ‚Entsorgungskosten durch den Verursacher‘ in die politische Ethik-Diskussion eingebracht werden.

Herr Hennebrüder ist langjähriges Mitglied im BUND. Die Umweltorganisation bringt sich mit Wissen und Ideen maßgeblich in die Diskussion ein. Der BUND kritisiert seit Jahren die Probleme der Atomwirtschaft und fordert schon lange den Atomausstieg. Mit einem 6-Punktplan zeigt der BUND auf, wie mit einfach Maßnahmen der sofortige Atomausstieg möglich wäre, so dass wir in Deutschland keine Ethik-Diskussion benötigen, um dann am Ende festzustellen, dass Atomkraftwerke ethisch nicht zu verantworten sind.

Sehr geehrter Herr Kleber, sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,

in den Berichten zur Sicherheit der Atomkraftwerke wird das Risiko eines Flugzeugabsturzes meist als äußerst unwahrscheinlich dargestellt (Warum soll ein Flugzeug denn auch genau auf einem AKW herunterfallen), ebenso das Anschlagsrisiko. Völlig ausgeblendet werden aber 2 Risiken, die viel höher einzuschätzen sind.

  • Selbstmordabsicht eines Flugzeugpiloten, z.B. Piloten einen Militärjets, der sein Leben mit einem besonderen Fanal beenden möchte. Es ist erst wenige Tage her, dass sich ein Selbstmörder vor einen ICE geworfen hat. Mit Güterzügen scheint der Selbstmord zu wenig Bedeutung zu haben. Also ist das Risiko bei Atomkraftwerken höher einzuschätzen.
  • Was ist, wenn bei Zielanflügen auf AKW’s (Berichterstattung Monitor) der Pilot einen Herzinfarkt erleidet oder wegen Drogen- oder Alkoholkonsum nicht rechtzeitig abdreht? Auch ein technischer Defekt wäre bei einer solchen Aktion möglich.

Vielleicht thematisieren Sie dies einmal und fragen Experten nach Ihrer Meinung.

Bei der Bewertung und der Entscheidung fühle ich mich als Bürger von der Politik nicht genug Ernst genommen, von wegen mehr Demokratie. Daher einige Punkte zum Thema Atomkraft, die ich dringend für notwendig erachte:

  1. Forderung eines Volksentscheids zur künftigen Energiepolitik
    Das Grundgesetz ist in der Weise zu ergänzen, dass bei Fragen von besonderer bundespolitischer Bedeutung der Bundestag mit 2/3-Mehrheit einen Volksentscheid beschließen kann.
    Alternativ durch Antrag der Bundesbürger wenn …. Stimmen eingereicht werden.

    Sinn
    Nach der derzeitigen Meinung kann dieser Volksentscheid nur zu einem schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kernenergie führen und die Bürger werden endlich ernst genommen. Dies zwingt die Bürger letztendlich auch dazu, sich mit der Problematik einmal zu befassen.

  2. Fond zur Finanzierung der Endlagerung und des Rückbaus von Kernkraftwerken
    Für jedes AKW ist ein Fond in öffentlichen Anleihen zu bilden, der zum einen die gesamten Rückbaukosten ermöglicht und bei dem die Zinsen des Restkapitals ausreichen, um die Endlagerkosten auf Dauer zu sichern. Die Mittel müssen von den AKW-Betreibern aus nicht steuerlich absetzbaren Mitteln aufgebracht werden.

    Sinn
    Man muss realistisch sein, dass die Atomkraftwerke noch einige Jahre laufen müssen, ehe sie durch Alternativen ersetzt werde können. Durch diese verpflichtetende Fondbildung wird dazu beigetragen, dass zukünftige Generationen nicht mit den Kosten der Endlagerung belastet werden und der Verursacher diese Kosten übernimmt. Dabei ist davon auszugehen, dass die Kosten des Atomstroms erheblich steigen werden und ein Eigeninteresse der Betreiber besteht, die Anlagen möglichst früh vom Netz zu nehmen. Betreiber von Windkraftanlagen müssen wie selbstverständlich auch diese Kosten tragen.

  3. Solidarfond zur Haftung bei einer Nuclearkastastrophe
    Da das Risiko einer Nuclearkatastrophe nicht nur eine Versicherung abgesichert werden kann, müssen die Kraftwerksbetreiber einen Solidarfond in Höhe von z.B. 2.000 MRD Euro oder … finanzieren. (Orientierung der Summe an den Volkswirtschaftlichen Schäden von Tschernobyl, die ich leider nicht kenne).
    Denkbar wäre ein solcher Fond auch auf Europäischer Ebene. Die Finanzierung müsste aus steuerlich nicht absetzbaren Mitteln erfolgen. Vielleicht könnten Befürworter der Atomenergie ja hier auch Bürgschaften übernehmen.

    Sinn
    Ein Restrisiko besteht, das abzusichern ist. Auch bei dieser Maßnahme ist davon auszugehen, dass die Kosten des Atomstroms erheblich steigen werden und ein Eigeninteresse der Betreiber besteht, die Anlagen möglichst früh vom Netz zu nehmen.

  4. Es ist eine ergebnisoffene Untersuchung nach 2 – 3 weiteren möglichen
    Alternativstandorten für die Endlagerung auf Kosten der AKW-Betreiber durchzuführen.

    Sinn
    Für eine Endlagerung benötigen wir den sichersten Standort, wobei durchaus zu überlegen ist, ob es nicht 2 Endlager geben soll, um das jeweilige Risiko zu vermindern und evtl. ein Ausweichlager im Falle einer später festgestellten Untauglichkeit zu haben. Die Endlagerung ist so vorzunehmen, dass eine Rückholung der eingelagerten Abfälle möglich ist.

    Der Verursacher muss die Kosten der Entsorgung tragen. Dies ist eine Selbstverständlichkeit und führt zu einem gerechten Strompreis im Vergleich zur Konkurrenz.

  5. Sanierung Asse II
    Die Kosten der Sanierung sind von den Unternehmen und Institutionen zu übernehmen, die dort Abfälle eingelagert haben.

    Sinn
    Der Verursacher muss die Kosten der Entsorgung tragen. Dies ist eine Selbstverständlichkeit und führt zu einem gerechten Strompreis im Vergleich zur Konkurrenz.

Gruß Willi Hennebrüder

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