Augenzeuge bei der Anti-Atom Demo in Grohnde

Für Samstag, dem 15.01.2011, hat das Anti-Atom-Plenum Weserbergland aus Hameln eine Anti-Atom-Demo organisiert. Durch soziale Netzwerke und Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich diese Nachricht in ganz Deutschland schnell verbreitet.

Wir laden zur angemeldeten Demonstration mit "Probesitzen" vor dem AKW Grohnde ein. Treffen: Am 15. Januar 2011 um 13 Uhr am Bahnhof Emmerthal. Dort startet die gemeinsame Wanderung zum AKW mit anschließendem gemeinsamen "Probesitzen" ab ca. 14 Uhr vor dem AKW bis ca. 16 Uhr.

Von Münster bis Braunschweig, von Bielefeld bis Göttingen haben sich aktive Atom-Protestler angesagt. Gerade aus Bielefeld gibt es derzeit viel Protest, denn die von der Grün-Roten Stadtverwaltung ist die Stadt Bielefeld über die Stadtwerke mit fast 20% beteiligt. Aber auch zahlreiche Landwirte wollten mit ihren Traktoren den Widerstand der ländlichen Bevölkerung repräsentieren – auch Bauern aus dem Wendland (Bäuerliche Notgemeinschaft) haben sich mit einer Delegation für den Widerstand angekündigt.

Klasse! Da musste ich auch hin. Also los 🙂

Ich war ca. 30 Minuten vor dem Demobeginn um 12:30 Uhr angekommen. Überall die gelben Fahnen, nette Leute und tolle Stimmung. Ja näher ich dem Bahnhofsgelände kam, desto lauter wurde es – desto mehr Leute waren zu sehen! Überrascht war ich auch von den vielen Treckern – überall Trecker! Es war dann auch gleich ein kleiner Stand zu sehen, dort konnten sich die Teilnehmer der Demo auf den „letzten Drücker“ mit Material ausstatten. T-Shirts, Pullies, Fahnen, Infoblätter, Aufkleber -einfach alles was man so braucht. Schöne handgemachte Musik war im Hintergrund zu hören.

Kurz vor 13 Uhr knackte das Mikrofon und der Veranstalter sprach zu den Menschen: „Es sind zu viele Trecker da. Bitte passt auf, es dauert noch.“ Etwas später „Ich glaube, wenn die Trecker beim AKW ankommen, gehen wir hier erst los“. Lautes Gelächter. Doch diese Aussage zeigte mit eines: der Widerstand ist auch im Weserbergland angekommen. Ich bekam Gänsehaut! „DAS IST DER HAMMER!“ fuhr es mir durch den Kopf.

Dann sah ich ein Kamera-Team von der ARD. Die waren bis zur letzten Minute da. „Super Arbeit machen die“ habe ich mir immer wieder gesagt, wenn ich das Thema dann mehrmals bei der Arbeit beobachten konnte. „Ob es da noch eine Doku gibt?“ Später konnte man auch den NDR sehen. Die haben viele Interviews gemacht. Doch wo waren die Kollegen von RTL, ProSieben oder auch ZDF. Nix.

„Naja, AntiAtom ist wohl nicht so das Ding dieser Sender“ sagt einer der Demonstranten, dem es ebenfalls aufgefallen war.

Worum geht es eigentlich bei der Demo, wurde gefragt. Es gab Flyer, die verteilt wurden. Hier der Link auf den Flyer.

Dort wird unter anderem beschrieben, dass EON für das erste Quartal 2011 ein Transport von MOX Brennstäben von England nach Deutschland ins AKW Grohnde beantragt hat. Eine Genehmigung liegt bisher nicht vor.

Es wäre der erste MOX-Transport aus Sellafield seit 1996! Es geht um 400 kg Plutonium – das Material für ca. 40 bis 50 Atombomben! Und das wird quer durch Europa gefahren. Das Risiko ist unkalkulierbar…

Doch was sind MOX Brennstäbe eigentlich? Es sollen 16 der „plutoniumhaltige Mischoxid“ (MOX) Brennelemente mit wahrscheinlich 3 LKW‘s aus dem Atomkomplex Sellafield in das Atomkraftwerk Grohnde transportiert werden. Diese Brennstäbe kommen aus der „Wiederaufarbeitung“. Ein tolles Wort. Es ist Neusprech für die Überarbeitung und Verdichtung von Brennstäben, bei denen teilweise militärisch nutzbare Bestandteile herausgelöst werden. Aus der Wiederaufarbeitung eines MOX-Brennelements werden ca. 20 KG atomwaffenfähiges Plutonium gewonnen.
Wichtig die Info: mit 6 KG kann man eine Atombombe bauen!

Was auch noch nennenswert ist: MOX-Brennstäbe können nur in Kraftwerken des Typs „Schneller Brüter“ verwendet werden.
Doch wo gibt es in Deutschland so ein AKW?
NIRGENDSWO! Hä?!!!
Ja, wir bekommen aus England Brennstäbe, die wir in Deutschland NICHT verwerten können?! Unfassbar oder?

Nun zurück zur Demo:

Nach dem sich die Trecker aufgestellt haben, geht’s los. Unglaublich wie viele Menschen hier unterwegs sind! Ich schätzte, es sind ca. 600. Später gab es die Durchsage vom Veranstalter, man hätte 2.200 Demonstranten gezählt. Ratet mal, was die Polizei geschätzt hat: auf Anfrage von mir die Aussage „so ungefähr 300“ – lächerlich!

Der Tross der Aktivisten und Demonstranten zog durch Emmerthal. Auf halben Weg gab es dann noch eine tolle Aktion! Einen Flashmob! Alle Demonstranten legten sich wie tot auf die Straße. „Wir wollten zeigen, wie es aussieht, wenn hunderte tot auf der Straße liegen, wenn es zu einem Atom-Zwischenfall in dem AKW kommen sollte.“ sagte einer der Helfer, die hier für etwas Ordnung gesorgt haben.

Dann setzt sich die Menschenmasse mit dem Fahnenmeer wieder in Bewegung. Laut hörte man immer wieder die Rufe an die vielen Passanten am Straßenrand: „Bürger, lasst das Glotzen sein, reiht Euch in die Demo ein.“ Nach ca. 1,5 Stunden standen wir vor dem AKW Grohnde. Die beiden Kühltürme direkt vor der Nase war schon sehr imposant. Die kleine Kuppel daneben sah lächerlich aus.

Doch das ist der Herd des Teufels, die Brennkammer der atomaren Stromgewinnung!

Das Gelände ist groß. Die Halle, in der schon zahllose Brennelemente und Atommüll lagern, konnte ich nicht sehen. Doch es ist unfassbar, dass oberirdisch der unglaublich gefährliche Atomschrott lagert. Völlig ungeschützt, nur in einer Blechhalle. Was würde passieren, wenn ein Flugzeug dort hinein stürzt. Was wäre das für ein Angriffsziel für Terroristen. Die bräuchten lediglich eine Panzerfaust auf die Blechhalle richten und abfeuern. Ganz Europa wäre in kürzester Zeit verstrahlt. Rund um das AKW würden in wenigen Stunden hunderttausende Menschen sterben. Ich wollte es mir nicht weiter ausmalen und hörte die Worte der Redner.

Vor den Toren des AKW hatten die Veranstalter eine Bühne aufgebaut. Mit Musik und interessanten sowie informativen Reden wurde die Zeit bei guter Stimmung zu einem schlechten Thema verbracht. Mehrere Aussagen sind mir bis heute im Kopf und Gehör verblieben, wobei mir die Bilder der flatternden Fahnen der Anti-Atombewegung im Wind vor Augen bleiben:

Biobauer Allhoff-Cramer aus Detmold rief „Wir nutzen diese Giftmüll-Energie für lächerliche zwei Generationen und hinterlassen dieses verheerende lebensgefährliche Erbe.“ Und an die Betreiber der Atomkraftwerke gewandt: „Wir tragen nicht länger das atomare Risiko für Eure Profite.“

„Atomkraft – nein danke. Eigentlich sollten die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Die erneute Verlängerung ist nur eine Sache zum Geld verdienen für die Atomlobby“ so Hermann aus dem lippischen Dörentrup.

„Wir sind gegen die verantwortungslose Atompolitik. Zurzeit sieht da meine Zukunft nicht rosig aus“ sagt die 15-jährige Maria Junker aus Detmold. Rentner Hillien rief „Ich halte es für ein unbeschreibbares Unrecht, dass wir Atomkraft nutzen und Tausende von Jahren anderen die Kosten und Lasten tragen lassen.“

Maike Pannewitz aus Hameln fehlten eigentlich die Worte „Dieser klammheimliche Vorgang bezüglich der MOX-Brennelemente ist unzumutbar“ Martin Kraemer war extra aus Kiew angereist „In Tschernobyl sind Tausende durch einen Unfall gestorben. Das soll hier nicht passieren und deshalb sind wir gegen Atomkraft.“

Hier noch ein paar Berichte von unseren Qualitätsmedien:

NDR Beitrag als Flash und einige Infos.

DEWEZET

– Diese Meldung finde ich auch klasse. Ist von der Zeitung in Emmerthal. Statt aber neutral über die Demo zu berichten, wurde besser ein „neuer“ Aspekt aufgedeckt. Toll und total uninteressant! Lest selbst!

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4 Antworten zu Augenzeuge bei der Anti-Atom Demo in Grohnde

  1. Jörg schreibt:

    Super Blog,
    danke für die Unterstützung der Bewegung! Ich weiß ja nicht genau wer hier dahinter steckt, doch wir sollten uns vernetzen! Kannst du bitte auf dieser Seite auch noch auf den Spaziergang am 5.2. in Detmold hinweisen, da brauchen wir diesmal ordentlich auftrieb, da auch ein Pressetermin mit Foto ansteht! Wäre echt super!

    Kommst du im März auch mit nach Stuttgart? Wir wollen den Leuten dort helfen eine Mappus zuzuklappen 😉
    Gruß
    Jörg

  2. Klaus schreibt:

    > Was auch noch nennenswert ist: MOX-Brennstäbe können nur in Kraftwerken des
    >Typs „Schneller Brüter“ verwendet werden.
    >Doch wo gibt es in Deutschland so ein AKW?
    >NIRGENDSWO! Hä?!!!
    >Ja, wir bekommen aus England Brennstäbe, die wir in Deutschland NICHT verwerten
    >können?! Unfassbar oder?

    Unfassbar, weil einfach Falsch. Fukushima Block 3 war auch kein schneller Brüter.
    http://de.wikipedia.org/wiki/MOX-Brennelement

    In den Jahren 2000-2008 wurde in insgesamt neun deutschen Kernkraftwerken Mischoxid-Brennelemente aus der Wiederaufarbeitung zusammen mit herkömmlichen Uran-Brennelementen eingesetzt.[2] Die Brennelemente verbleiben im Durchschnitt für vier Jahre im Reaktorkern.[2] Bislang (Stand Februar 2011) fanden in Deutschland 51 Rücktransporte von MOX-Brennelementen aus französischen Wiederaufarbeitungsanlagen statt.[3]

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